Was lange währt …

Das Handwerkerhaus auf der Burghalde – ein lang gehegter Wunsch des Allgäuer Burgenvereins geht in Erfüllung.

Die Stadt Kempten stellt dem Verein das Garderobenhaus auf der Burghalde zur Nutzung als zukünftiges Handwerkerhaus zur Verfügung. Er erbittet nun Spenden für den Einbau einer Heizanlage und Wärmedämmung, um eine ganzjährige Nutzung zu gewährleisten und eine Büro-, Küchen- und Werkausstattung an­schaffen zu können.
Herr Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer und die Stadtverwaltung sorgten beim Allgäuer Burgenverein e. V. für eine positive Überraschung. Sie boten dem Allgäuer Burgenverein eine Umnutzung des Garderobengebäudes für die Jugendbildungsarbeit und Besucherprojekte an, weil größere Theatervorführungen auf  der Freilichtbühne nicht mehr vorgesehen sind.

Die Offerte des Herrn Oberbürgermeister basiert auf einer Initiative des Vereins vom Januar 2003. Damals wurde angeregt, auf der Burghalde „historische Handwerkstechniken und Besucherprojekte“ in Ergänzung zum Allgäuer Burgenmuseum anzubieten. Dieses Vorhaben basiert auf der Tatsache, dass auf Burgen des Mittelalters sämtliche Formen des Handwerks ausgeübt wurden. So befand sich in der so genannten Vorburg nicht nur eine Schmiede, sondern vom Webkeller über die Drechselwerkstatt bis zur Töpferei alles was zur Selbstversorgung einer Siedlung gehörte.

Vorgeschlagen war, ein Vorburg-Gebäude als Exponat mittelalterlicher Baukunst des 13. und 14. Jahrhunderts zu schaffen. Dieses sollte ganzjährig Platz für Besucherprojekte zu historischen Handwerkstechniken vor allem mit Schulklassen bieten. In den vergangenen Jahren durchlebte der Allgäuer Burgenverein e.V. mit seinen Initiativen zum Handwerkerhaus viele Höhen und Tiefen. So wurden immer wieder Probezeiten auferlegt nach dem Motto „Macht erst mal das und wenn das gut läuft, dann sehen wir weiter.“, die den ehrenamtlichen Initiatoren verlorene Jahre bedeuteten. Die bestimmenden Faktoren ließen im Herbst 2007 die Verwirklichung des Projektes schließlich als aussichtslos erscheinen. Kurz vor der endgültigen Aufgabe des Vorhabens auf der Burghalde und Neuorientierung zum geplanten Handwerkermuseum in der Gräbelesmühle bei Hirschdorf, wirkte das Angebot des Herrn Oberbürgermeister wie ein Jungbrunnen auf die Mitarbeiter und sorgte für neuen Elan.

Um die organisatorische Grundlage für die Verwirklichung von Besucherprojekten und anderen Jugendbildungsangeboten zu schaffen, wurde am 24.11.2007 die selbständige Abteilung Jugend-Bildungswerk (JBW) im Allgäuer Burgenverein e.V gegründet. Die aus acht Personen bestehende Vorstandschaft hat bereits ihre Arbeit aufgenommen. Die Gründung eines Jugend-Handwerkerhaus-Fördervereins ist in Vorbereitung. Als Veranstaltungen für das Jahr 2008 stehen das Mittelalterliche Burgfest am 23./24. August und die Handwerkerwoche vom 26. bis 30. August fest.

Die Umnutzung des Garderobengebäudes bietet die Möglichkeit durch Entkernung einen Arbeitsraum von 45 m2 mit offener Feuerstelle sowie einen Gruppenraum von 25 m2 mit Kachelofen zu schaffen. Drei kleine Lagerräume sollen Archiv, Werkzeug und Maschinen zur Vorbereitung der Kursangebote aufnehmen. Als Grundlage für die Verwaltung und Computerarbeit ist ein Büro erforderlich. Die Nutzung des Dachbodens als Lager und ein kleines Außenlager für schwere Ausrüstungsgegenstände wie Schmiedeamboss, Bronzeschmelzanlage usw. bilden Voraussetzungen zur Funktionstüchtigkeit der Einrichtung und sollen kurze Transportwege und Zurüstzeiten ermöglichen.

Der Schul- und Kulturausschuss des Stadtrats hat in seiner Sitzung vom 18.11.2007 den Vorschlägen der Verwaltung zugestimmt und eine schrittweise Finanzierung des Ausbaus in drei Haushaltsjahren empfohlen. Dabei sollte die Finanzierung der Entkernung des Gebäudes 2007/2008 und die von Heizung und Wärmedämmung bei den Haushaltsberatungen 2009 nach einer Erprobungsphase im Sommerbetrieb für den Haushalt 2010 erfolgen. Das bedeutet, dass während der Heizperiode von September bis März der Betrieb so gut wie unmöglich ist. Nicht nur Marketingfachleuten ist klar, dass ein neu gegründeter Betrieb eine gewisse Anlaufphase und vor allem Kontinuität braucht, um von Kunden angenommen zu werden. So lange Zwangspausen könnten das Unternehmen massiv behindern.

Aus Sicht des Allgäuer Burgenverein e.V ist daher ein Ausbau in einem Bauabschnitt 2007/2008 erstrebenswert. Auch die nachfolgenden Punkte sprechen dafür: Die Installationen und Computer wären frostgefährdet. Bei einem durchgängigen Ausbau können sowohl Handwerker als auch Nutzer ihre Arbeiten koordinieren und dadurch überflüssigen Aufwand vermeiden. Das Jugendbildungswerk könnte zudem zwei Jahre früher mit kontinuierlichen Angeboten starten. Gerade für Schulen und auch für die Mitarbeitenden würde erst ein voll funktionsfähiges Haus eine langfristige und verlässliche Planung der An­gebote und Termine ermöglichen. Wie schon die Errichtung des All­gäuer Burgenmuseums stellt die Bildungsarbeit im Handwerkerhaus eine weitgehend ehrenamtlich geprägte Leistung des Allgäuer Burgenverein e.V dar, die allen Bewohnern Kemptens und des Umlandes wie auch seiner Besucher zugute kommt.

Sehr erfreulich ist, dass die Stadt das Gebäude mietfrei zur Verfügung stellen will. Positiv ist weiter, dass der Haupt- und Finanzausschuss der Stadt den Empfehlungen des Kultur­ausschusses teilweise gefolgt ist und 60.000 Euro im Haushalt 2008 für den Ausbau zum Sommerbetrieb vorgesehen hat. Die Bereitstellung aber von Mitteln für den späteren Einbau einer Heizung und Wärmedämmung ist nach Darstellung der Verwaltung nicht gesichert. Daher benötigen wir die Hilfe der Bevölkerung. Wir denken dabei an eine Finanzierung der Heizung und Wärmedämmung, der Büroausstattung, einer Einbauküche mit Spülmaschine und der Ausstattung des Werk­raums mit Arbeitsgeräten durch engagierte Kemptener BürgerInnen und Firmen auf Spendenbasis.

Damit wäre es möglich, allen Bürger­Innen, Schülern, Multiplikatoren und Besuchern der Stadt schon im Herbst 2008 eine neue Attraktion auf der Burghalde ganzjährig und witterungsunabhängig zur Verfügung zu stellen. Spenden werden erbeten auf das Konto 514 0511 92 bei der Sparkasse Allgäu BLZ 733 500 00.

von Rudolf  Müller-Tolk, 1.Vorsitzender Jugend-Bildungswerk, und Klaus Frühschütz, Beisitzender

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