Die Iller in Kempten

Ein Schwerpunkt der Arbeit der Altstadtfreunde – Teil 1

Blick von der Rosenau Richtung Norden gen Altstadt auf den Iller-Radwanderweg Ulm-Oberstdorf und die "unsichtbare" Burg auf der Burghalde. Foto: Stephan Schmidt

Blick von der Rosenau Richtung Norden gen Altstadt auf den Iller-Radwanderweg Ulm-Oberstdorf und die "unsichtbare" Burg auf der Burghalde. Foto: Stephan Schmidt

Gewässerkundliche Daten

Die Iller durchfließt die Stadt Kempten auf einer Länge von ca. 13 km. Ihr Abflussverhalten ist geprägt durch das 955 km² große Einzugsgebiet mit z. T. alpinem Charakter. Die Staulage der Alpen ist Ursache für intensive Niederschläge mit großen Hochwasserabflüssen.Die Illerabflüsse schwanken stark zwischen Niedrigwasser (NQ = 4cbm/s) und Hochwasser ( HQ am 23.08.2005 = 884 cbm/s). Während der mittlere Wasserstand am Pegel Kempten 146 cm (MW) beträgt, ist der Wasserspiegel bei dem vorgenannten höchsten Hochwasser um zirka 5 Meter bis auf 642 cm ( HHW ) angestiegen (1).

Bedeutung der Iller für die Stadtentwicklung Kemptens

Historisch gesehen ist die erste Ansiedlung Kemptens entstanden an einer Illerfurth mit felsiger Gewässersohle im Bereich des jetzigen Illerwehrs unterhalb der St.-Mang-Brücke, d.h. zwischen dem nicht passierbaren Illerdurchbruch durch die untere Süßwassermolasse im Süden und der sich weitenden, damals von vielen Flussmäandern durchzogenen, z. T. moorigen Talaue nördlich hiervon. Der Fluss spielte eine wichtige Rolle bei der Stadtentwicklung. Er wurde als Wasserlieferant, Energiequelle und Transportweg benötigt. Die ersten Ansiedlungen bleiben außerhalb der gefährlichen Überschwemmungsgebiete (2). Im Mittelalter wurde die in Flussnähe liegende Altstadt durch Stadtmauern gegen Hochwasser geschützt. In der Zeit der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert entstanden zahlreiche Fabriken an den Ufern der Iller.

Die Iller heute

Die Einstellung des Menschen zu den auf den Lebensraum der Iller einwirkenden Nutzungen haben sich geändert. Während die Industrieanlagen an den Ufern (Spinnereien und Webereien, Papiermühlen, Zündholzfabriken, Gaswerk …) verschwunden sind, sind die Anlagen zur Stromerzeugung aus Wasserkraft, die Wasserentnahmen für industrielle Zwecke und die Wassereinleitungen (Abwasser, Niederschlagswasser) geblieben bzw. haben an Bedeutung gewonnen.Dabei wurden jedoch die Nutzungen mit den Ressourcen in Einklang gebracht. Die Notwendigkeit, sich auf die natürlichen Lebensgrundlagen zurückzubesinnen, wurde erkannt. Abwasser wird gereinigt, Niederschlagswasser wird vorbehandelt. Bei Wasserkraftanlagen wird auf die Restwassermenge im Fluss geachtet. An Fluss-Querbauten wird die Durchgängigkeit durch Fischtreppen wieder hergestellt (3). Viele Ziele wie z. B. die Verbesserung der Gewässergüte wurden – wenn auch mit großem finanziellem Aufwand – zwischenzeitlich erreicht. Defizite sind allerdings noch im Erscheinungsbild der Iller und ihrer biologischen Wirksamkeit vorhanden. Nach dem Hochwasser 1910 und aus Anlass der Sanierung des Stadtteils „Unter der Burghalde“ in den 80er Jahren wurden Hochwasserschutzbauten errichtet, die nach weiteren großen Hochwasserereignissen 1999 und 2005 ergänzt wurden. Damit ist Kempten heute gut gegen Gefährdungen durch die Iller geschützt. Da die Deiche und Dämme jedoch großenteils ufernah liegen und den Fluss in ein Korsett einzwängen, sind die Entwicklungsmöglichkeiten für eine zeitgemäße naturnahe Umgestaltung des Gewässerbetts und der Uferstreifen, wie sie andernorts bereits erfolgt sind, sehr beschränkt. Das Ziel, der Iller im bebauten Stadtgebiet wieder eine mehr wildflusstypische Eigendynamik zu gewähren, bleibt somit unerreichbar.

Die strikte bauliche Abgrenzung des Landschaftsraumes Fluss vom Siedlungsraum Stadt hat eine optisch-ästhetische Qualitätsminderung im Stadtbild Kemptens zur Folge. Sie führte außerdem zu dem Effekt, dass sie die Zugänglichkeit zur Iller einschränkt und der Fluss quasi dem Bürger entfremdet wurde. Könnte es sein, dass sich das Bewusstsein der in Fluss-
nähe lebenden Menschen nach den großen Hochwasserereignissen der letzten Jahre geändert hat? Dass sich ein Wertewandel in der Weise vollzog, dass die Bedeutung der Flusslandschaft zum Zweck der Freizeitgestaltung und Erholung geschwächt wurde, während sich die Sorge, dass der Fluss gefährlich sein und dann „Leib und Gut“ schädigen kann, vergrößert hat?

Tätigwerden der Altstadtfreunde

Dem Altstadtverein ist bewusst, dass der unmittelbar an die Altstadt angrenzende Landschaftsraum Iller der Stadt Kempten ein unverwechselbares Erscheinungsbild von hoher Qualität verleiht. Er hat weiterhin erkannt, dass in diesem Bereich Störungen und Defizite vorhanden sind, über deren Beseitigung es sich nachzudenken lohnt. Er sieht seine Aufgabe darin, konkrete Maßnahmen zur Reaktivierung und Weiterentwicklung „anzustoßen“ und die Bürger anzuregen, sich wieder mehr für diese wunderbare Landschaft vor ihrer Haustür zu interessieren, die biologische Vielfalt des teilweise unter Landschaftsschutz stehenden Lebensraumes am Gewässer und seinen Ufern zu entdecken und die Bauwerke (Kraftwerke, Brücken, Fabrikgebäude, Stollen…) kennenzulernen. Die Altstadtfreunde beabsichtigen deshalb, einen Arbeitskreis zu gründen, um Anregungen aufzunehmen, die Bedeutung von vorgeschlagenen Maßnahmen und deren Verwirklichbarkeit zu diskutieren und die finanziellen Möglichkeiten für eine Umsetzung zu prüfen. Dabei ist zu klären, wer für welche Maßnahmen der zuständige Ansprechpartner ist (4),(5). Auf Erfahrungen, die andere Städte an ihren Flüssen gemacht haben, soll dabei zurückgegriffen werden(6), (7), (8). So ist z.B. in München die Neugestaltung der Isar zu einem Vorzeigeobjekt geworden(9). Als Folge entdeckte die Stadt ihren Fluss neu. Sie will durch Cafes, Spazierwege und Kulturobjekte die Isar in der Innenstadt zugänglicher machen(10). „Mehr Leben am Fluss!“ Dieser Leitsatz steht auch ganz oben auf dem Wunschzettel der Altstadtfreunde.

Ereignisse an der Iller in 2010

In diesem Jahr hat sich an der Iller viel ereignet. Die Bürger Kemptens haben – durch Zeitungsberichte aufmerksam gemacht – dies mit großem Interesse festgestellt und die jeweiligen Angebote angenommen. Die folgende, sicher nicht vollständige Chronologie der Aktivitäten, Feste, Einweihungen und sonstiger Ereignisse zeigt deutlich, dass vieles, was im Landschaftsraum Iller geschieht, auf großes Interesse der Bürger stößt und fremdenverkehrsförderlich ist (11).

Zwischen dem Rosenausteg und dem neuen Wasserkraftwerk des AÜW hat die Stadt einen Geh- und Radweg gebaut. Damit konnte der Iller-Radwanderweg Ulm-Oberstdorf geschlossen werden (12). Die Eröffnung erfolgte am 30.06.2010 (13).

Eröffnung des neuen Wasserkraftwerks der AÜW am 11.07.2010. Die AÜW luden zum Familientag ein (14), (15), (16), (17).

Ausstellung von Kemptener Schulen am neuen AÜW-Kraftwerk. Der Illerlauf wurde in einem bunten Bilderband dargestellt. Ein nachahmenswertes Beispiel von Schülern aus fünf Klassen vier verschiedener Schulen (18).

Sanierung des alten denkmalgeschützten Wasserkraftwerks durch die AÜW am östlichen Illerufer südlich von Haus A der ehemaligen Spinnerei. Die Arbeiten werden voraussichtlich bis Ende 2010 abgeschlossen (19).

Fackelschwimmen in der Iller zum Abschluss der Allgäuer Festwoche (20).

Das Tiefbauamt hat zum Tag des offenen Denkmals am 12.09.2010 eine Besichtigung der König-Ludwig-Brücke über die Iller mit Führungen durch das Brückeninnere ermöglicht (21), (22).

Einweihungsfest für das Wohnbauvorhaben in der Rosenau am 10.10.2010: Ab November 2010 wird das Haus B (das kleinere der beiden Gebäude) in der ehemaligen Fabrik der alten Spinnerei an der Iller bezogen (23).

Neue Fischtreppen am Drahtzug-Wasserkraftwerk und beim neuen AÜW-Kraftwerk oberhalb des Rosenaustegs (24) ,(25), (26). Damit wurde ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Durchgängigkeit der Iller geleistet (3).

Halbmarathon auf Illerwegen am 18.04.2010.

Diskussion zum Illersurfen, insbesondere an einer „stehenden Welle“, für die der Eisbach in München Vorbild ist (27), (28).

Erneuerung aller Bänke am westlichen Illerufer zwischen St.-Mang-Brücke und Rosenausteg durch die Stadt Kempten. Reparatur der Treppenanlage über die Hochwasserschutzmauer im Bereich Cafe Etwas an der Brennergasse. Umfangreiche Gehölzpflegemaßnahmen auf dem Rad- und Gehweg in diesem Bereich.

Die Altstadtfreunde sind mit dem Vorschlag, an der Iller einen Strandbereich durch eine Sandaufschüttung zu schaffen, in diesem Sommer in die Öffentlichkeit gegangen (5). Auch dann, wenn zeitweise das kalte Bad aus hygienischen Gründen nicht zulässig sein sollte, könnte mit der Umsetzung dieses Vorschlags ein von den Bürgern begrüßter Platz zum Sonnenbaden geschaffen werden. Hierzu gibt es viele Beispiele aus anderen Städten (30).

Fortsetzung folgt.

Quellen:
(1) www.hnd.bayern.de, Illerpegel Kempten (2) Planung Kempten , Stadtbild und Stadtlandschaft, 1977
(3) Gewässerentwicklungskonzept Iller, WWA Kempten, 2008
(4) ,(5), (12), (13), (16) bis (30), Allgäuer Zeitung, 2010
(6) bis (10), Süddeutsche Zeitung, 2010
(11) , (14), (15), Kreisbote, 2010

  1. #1 von Renate Ruf unter 27. Juni 2017

    Zum Artkel der Allg. Ztg. vom MIttwoch dem 21.Juni: Wie die Wellen des Wassers“ möchte ich folgenden Kommentar abeben. Ich finde das neue Gebäude wunderschön und würde es mir gerne mal ansehen. Nur weiß ich nicht, wie man dorthin kommt. Ich weiß, dass am Samstag Führungen stattfinden, doch der 24.Juni ist ja schon vorbei. Also Humptons Summerbar ist gegenüber der St. Mang Kirche und links ist das Illertor und ein paar Bäume.
    Also fahre ich heute mal hin zuerst zu St. Mang Kirche.Das wunderbare neue Gebäude ist dann nicht mehr zu verpassen.Ein wirklich gelungenes Stück.
    MFG Renate Ruf

     
(wird nicht veröffentlicht)

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