Bericht des Vorsitzenden

Alle Projekte, die für dieses Jahr angesagt und in Aussicht gestellt wurden, haben ihren Anfang genommen. Dennoch besteht vielerorts weiterhin Handlungsbedarf.

Foto: Ralf Linert

Auch in diesem Jahr können wir mit großer Freude auf eine Menge Erreichtes zurückblicken. Alle Projekte, die für dieses Jahr angesagt und in Aussicht gestellt wurden, haben ihren Anfang genommen: Das Schwanengelände, das heißt die letzte Baulücke zwischen der Firma Soloplan und dem Altstadtengel ist geschlossen. Der Finanzdienstleiter Telis AG ist hier bereits eingezogen, im Frühjahr 2009 wird der Krankenversicherer Barmer folgen. Hier entsteht auch ein wunderbarer Innenhof, der zum Verweilen und Hindurchspazieren einlädt.

Die zumindest äußerlichen Baufortschritte in der Bäckerstraße 9, dem ehemaligen Schwarzen Adler, lassen eine wunderbare Ergänzung des neuen Ensembles erwarten. Der neue Mieter, der Stadtjugendring Kempten, wird das so lange vermisste Leben in vollen Zügen einbringen. Der dadurch entstehende Platz in der Kronenstraße kann ideal von der Suttschule eingenommen werden, die an diesem Platz endlich den benötigten Raum erhält und dadurch wieder für viele Generationen junger Kemptener dauerhaften Bestand erhält. Für diese Ideallösung danken wir der Stadt Kempten und der Sozialbau, Herrn Herbert Singer, besonders herzlich.

Neugestaltung St.-Mang-Platz

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Foto: Ralf Linert

Nicht zuletzt freuen wir uns über den Beginn der Bauarbeiten auf dem St.-Mang-Platz und der Bäckerstraße. Hier muss man zwar mit einer Verzögerung der Bauarbeiten infolge der sehr beachtlichen Ausgrabungen rechnen, dafür bekommt unsere Stadt auf diesem Platz eine geschichtliche Bereicherung und Sehenswürdigkeit von nationaler Bedeutung.
Die Altstadtfreunde wurden zu einer Besichtigungsfahrt der Stadtverwaltung und des Stadtrates nach Regensburg eingeladen, wo ebenfalls ein Bodendenkmal für die Bevölkerung und Gäste erhalten und sichtbar gemacht wurde. Das dort ausführende Architekturbüro wurde auch in Kempten beauftragt, Planungen und Konservierungsmöglichkeiten auszuarbeiten. Was immer am St.-Mang-Platz einmal entstehen wird, muss eine vernünftige Abwägung aller Möglichkeiten ergeben. Auf keinen Fall sollte aber ein Auf- oder Überbau verwirklicht werden, der den großzügigen neuen Platzcharakter wieder mindern würde. Für die Funde aus der Römerzeit, den Fundamenten der Erasmuskapelle aus dem 12./13. Jahrhundert und der Michaelskapelle wäre ein einfaches Auffüllen viel zu schade, da hier das Geschichtsbewusstsein der ganzen Stadt beschadet würde und außerdem eine sensationelle Sehenswürdigkeit verloren ginge.

Zur Orientierung der Platzgestaltungsmöglichkeiten für den St.-Mang-Platz fuhr bereits im März 2008 die Stadtverwaltung und der Stadtrat nach Stein am Rhein. Hier war vor Allem die Entscheidung der Oberfl äche im Vordergrund. Die gefundene Lösung ist ein guter Kompromiss und kommt fast allen Wünschen entgegen.
Die gesamte, ausgereifte und sorgfältige Planung darf aber auf keinen Fall egoistischen Einzelinteressen zum Opfer fallen. Auch wenn einige Parkplätze wegfallen, die Gesamtbilanz wird durch den Bau von 130 Tiefgaragenstellplätzen an der Burgstraße mehr als ausgeglichen. Wenn im 21. Jahrhundert immer noch Autofahrer/innen betonen, sie würden nicht gerne in Tiefgaragen oder Parkhäuser fahren, so ist diesen Zeitgenossen/innen vom Gebrauch von Kraftfahrzeugen dringend abzuraten. Die Forderung frei begehbarer Schutzräume zweier Nachbarn in der Reichsstraße wird dann besonders paradox, wenn diese Häuser entweder fast nicht mehr bewohnt werden oder an kinderlose Mieter weitervermietet sind.
Im Gegenverkehr in der Reichsstraße können keine Probleme auftreten, da zum Einen die benötigte Fahrbahnbreite von 4,75 Meter mit 6,90 Meter mehr als ausreichend ist und ein Verkehr von Westen (Rathausplatz) bei Einhalten der bestehenden Verkehrsvorschriften gar nicht möglich ist. Eine grundsätzliche Beibehaltung der bisherigen Fahrbahn auf dem St.-Mang-Platz würde den schönsten Platz in unserer Stadt wieder zerstören.

Unstrittig bei allen Planungsbeteiligten ist die Beibehaltung und Neuerstellung des Boule-Platzes. Nichts hat in den letzten Jahren so zur Belebung des Platzes beigetragen. Die Bauverwaltung der Stadt hat allen Anliegern der Bäckerstraße und des St.-Mang-Platzes bestätigt, dass im Sanierungsgebiet keine Anliegerkosten entstehen.

Weitere Bauprojekte

Pfarramt und Evangelisch-Lutherisches Dekanat am St.-Mang-Platz wurden renoviert (ehemaliges Altstadt-Postamt) und vormals Kindergarten.
Ochsenkeller und Gebäude Webergasse/Ecke Burgstraße wurden neugestaltet.
Die Rosenau hat einen neuen alten Investor. Pfersee–Kolbermoor, der Wisser-Konzern, hat sich in die Planung und Ausführung wieder eingebracht. Der zuständige Vertreter, Herr Helge Pietrek, hat einen Einzug der ersten Mieter für Herbst 2009 angekündigt. Vielen Dank allen Beteiligten!

Die Planungen für die sogenannte Nordkurve unter Mitwirkung des Stadtplanungsamtes geht zügig voran. Nur so haben Bereiche wie Gerberstraße und Brandstatt eine gesicherte Zukunft.

Das 13. Altstadt-Diakonie-Fest mit Kindertag war ein voller Erfolg. Das Wetter hat gerade so am Freitag Abend mitgespielt, und so konnten wir viele Altstädtler begrüßen. Besonders der Samstag mit seinem umfangreichen bunten Programm begeisterte vor Allem die zahlreichen Familien. Viele Vereine und Verbände haben zum Gelingen dieses Traditionsfestes beigetragen. Alle Erlöse kommen im vollen Umfang der Diakonie zugute.
Auch im Jahre 2009 wird dieses Fest wieder ausgerichtet. Wir freuen uns, Sie alle am 17. und 18. Juli 2009 wieder begrüßen zu dürfen. Das Angebot an Speisen und sonstigen Leckereien wird deutlich erweitert werden. Verschiedene Gastwirte und Vereine werden uns hier unterstützen.

Eine erfreuliche Entwicklung im neuen Jahr: Die Faschingsgesellschaft Rottachgilde wird ihren Faschingsumzug am 21. Februar 2009 wieder zum Teil durch die Altstadt führen und am Rathausplatz enden lassen. Die Wirte vom Rathausplatz werden eine große Party vorbereiten, um den Fasching voll genießen zu können.
(siehe eigener Bericht)

Das Goldene Ross in der Bäckerstraße hat wieder einen Wirt. In dem gemütlichen historischen Wirtshaus wird eine sehr gute bürgerliche Küche geboten.
Ebenfalls neu eröffnet, ist die Altstadtwirtschaft am Rathausplatz 8 (Hotel Fürstenhof). Zwei sehr engagierte Brüder bieten täglich frische und bodenständige Küche an.

Der Kauf der Stadtmauerreste an der Hasengasse wurde durch die Stadt vorgenommen. Dankenswerterweise ist so ein Erhalt ermöglicht worden.

Leider hat der Stadtheimatpfleger Tilmann Ritter unsere Stadt beruflich mit München getauscht. Wir hoffen jedoch, sein behutsames Wirken für Kempten weiter zu erfahren. Einer seiner besonderen Verdienste ist z. B. der Erhalt des Gebäudes im Pfeilergraben neben der Residenz. Hier gab es schon städtische Pläne, ein modernes Ungetüm erstehen zu lassen. Auch die alten Kasernen an der Rottachstraße tragen seine Handschrift. Vor allem hat er sich aber um den Erhalt und die Renovierung der St.-Lorenz-Basilika und der Residenz verdient gemacht. Dieser kleine Ausschnitt seiner Tätigkeit soll verdeutlichen, wie Kempten die professionelle Hilfe dieses Fachmannes und auch seine Tätigkeit für den Heimatverein Kempten als Erster Vorsitzender benötigt.

Leider gibt es die Traditionswirtschaft Engel Altstadt nicht mehr. Die Ursprünge dieser Einrichtung reichen bis ins Mittelalter. Wenn es aber wirklich keine andere Lösung mehr gegeben hat, so ist ein Rückbau in Büros immer noch besser als eine Neon-Röhren-Wirtschaft. Die neu Fassade ist sehr schön und eine gelungene Abrundung des gesamten Komplexes.

Dringende Anliegen & Wünsche

Verkehrsüberwachung: Auf dem Rathausplatz und der Reichsstraße hält sich kaum jemand an die bestehende Verkehrsregelung. Dies beginnt bei der vorgeschriebenen Schrittgeschwindigkeit. Der lapidare Hinweis der Verwaltung, die Polizei würde immer wieder Kontrollen durchführen, stimmt nicht. Die Dienstfahrzeuge dieser Behörde halten sich ja in den meisten Fällen auch nicht daran. Warum stellt man hier nicht wie z. B. in unseren Nachbarstädten Isny und Wangen Display-Anzeigetafeln auf, die eine gefahrene Geschwindigkeit den Kraftfahrern anzeigen? Das Gleiche gilt in der Kronenstraße sowohl im Bereich des Rathausplatzes/Rathausstraße als auch im 20 km/h Bereich.
Seit Jahren weisen wir auf diesen Missstand hin, aber es scheint niemanden zu interessieren. Besonders ärgerlich ist jedoch die völlige Missachtung der Abbiegegebote. Ein Verkehrsfluss vom Rathausplatz zur Reichsstraße könnte bei Beachtung überhaupt nicht entstehen (mit Ausnahme der schnell zu schließenden Lücke über die Volksbank). All das Gezeter über das „riesige“ Verkehrsaufkommen in der Reichsstraße entfällt dann gänzlich (siehe oben). Dies gilt auch für den Verkehr vom St.-Mang-Platz über den Rathausplatz. Hier darf es nur den abfließenden Verkehr über die Heinrichsgasse geben. Gerne sind wir bereit, mit den zuständigen Behörden vor Ort eine Besichtigung und Begehung durchzuführen.

Burghalde: Der Dornröschenschlaf wird zwar ab und zu durch gelungene Einzelprojekte wie das mittelalterliche Handwerkerhaus und das Burgenmuseum unterbrochen. Wann wird dieses Kleinod mitten in unserer Stadt endlich durch ein Gesamtkonzept wachgestochen? Gerne bieten wir die Mithilfe in einer Planungsrunde an.

Hochwasser-Vorkehrungen: Anlässlich unserer Jahresversammlung am 19.02.2008 stellte uns der Leiter des Wasserwirtschaftsamtes, Herr Helmut Weiss und Herr Stephan Rudolph vom Brand- und Katastrophenschutz in Kempten ein mögliches Hochwasser-Szenario der Iller vor. Eigentlich kann ja nach der Einrichtung des Überflutungspolders bei Seifen nichts mehr passieren. Aber wenn doch? Die versprochene Einzelobjektbetrachtung und geeignete Schutzmaßnahmen sind bis heute nicht umgesetzt. Aber viel leicht haben wir wieder 300 bis 500 Jahre nichts zu befürchten.

Flächennutzungsplan: Mehrfach haben wir einen überarbeiteten und angepassten Flächennutzungsplan erbeten.
Wann dürfen wir damit rechnen?

Quartiers-Manager:
Gibt es die Möglichkeit, endlich einen solchen zu installieren? Er könnte unseren einheimischen Sanierungs- und Bauwilligen bei folgenden Problemen helfen: Sanierungsberatung, Vermittlung zwischen Hausbesitzern und Käufern (keine Maklerstelle), Kontakte zum Landesdenkmalamt und Finanzierungsmöglichkeiten für alte Bausubstanz– eventuelle Sonderprogramme. Sicher gibt es für alle diese Fachbereiche an verschiedenen Stellen Fachleute. Eine Kompetenz-Einrichtung an einer Stelle wäre von großem Nutzen.

Fußgängerzone: Zwischen Hirnbein- und Beethovenstraße mit einer integrierten Busspur. Diese Maßnahme würde ständigen Stau, Lärm und Umweltbelastung vor der Ampel verhindern. Wenn maximal nur vier Fahrzeuge nach rechts abbiegen können, ist eine sinnvolle Verkehrsführung nicht möglich. Auch wenn zu diesem Problem vor Jahren ein nicht schlüssiges Bürgerbegehren stattfand und die eine oder andere ideologische Hürde vorhanden ist, sollte man diese Situation nach gemachten Erfahrungen noch einmal überdenken. Der Attraktion der Häuser Zentralhaus und Illerkauf käme es auf jeden Fall entgegen. Wenn am meist begangenen Platz in Kempten zwei solch abstoßende Objekte seit Jahren stehen, sollte man die Planungshoheit einer Stadt in Frage stellen dürfen. Wie geht es hier weiter? Das Brauhausgelände, das alte Gebäude der Hypo-Bank und das marode Quelle-Monstrum im Kontext mit Zentralhaus und Illerkauf ist in der Zwischenzeit eine riesige Belastung und eine Schande für unsere Stadt.

4-P-Haus: Auch hier ist schon oft und seit langem eine Sanierung und Modernisierung in Aussicht gestellt worden. Was müssen das für hartnäckige Hausbesitzer sein, wenn der Hauptmieter, nämlich die Stadt Kempten, auch mit fristloser oder befristeter Kündigung nicht weiterkommt?

Beginenhaus: Wie geht es hier weiter – gibt es konkrete Finanzierungs- und Nutzungskonzepte?

Spinnerei und Weberei Kempten: Auf der linken Illerseite. Was gibt es hier für eine Zukunftsplanung? Wenn wirklich die Rosenau auf der rechten Seite verwirklicht wird, sollte es doch sicher hier eine entsprechende Entwicklung geben. Das Allgäuer Überlandwerk hat mit seinem neuen Turbinenhaus beeindruckende Maßstäbe gesetzt.

Sonne Klostersteige: Dieses historische Gebäude, mitten in der Altstadt hätte sicher einen würdigen Neubeginn verdient, oder soll es stillschweigend vor sich hin verkommen?

Schwangere Auster des Künstlers Martin Wank. Gibt es eine Einigung mit dem Sohn Christoph Wank oder kann hier etwas völlig Neues entstehen. Nur eine Spielwiese der Stadtgärtnerei ist auf Dauer zu wenig.

Auf unserem schönen – und laut Veranstalter größten Weihnachtsmarkt im Allgäu – wünschen wir uns eine Öffnung der Toiletten (im Verwaltungsgebäude) mindestens eine Stunde über den Betriebszeiten des Marktes.

Eine geordnete Entsorgung ausgedienter Christbäume sollte endlich professionell organisiert werden. Der gute Wille der Landwirtschaftsschüler allein ist hier sicher zu wenig. Vielleicht wäre ein grüner Punkt (Entsorgungsgebühr gleich beim Kauf) eine vernünftige Lösung.

Laut einem Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes ist eine Straßenreinigung nicht automatisch täglich, sondern nur bei Bedarf vorzunehmen. (Allgäuer Zeitung vom 08.10.2007) Wenn also die Stadtverwaltung einige kleine Nebenstraßen in den täglichen Reinigungsbedarf einordnet, kann hier wohl von Behördenwillkür gesprochen werden. Oder gibt es für diesen „Straßenraub“ eine andere Erklärung?

Lutz Neubert: Das Durchboxen dieses Projektes hat unsere Stadt lange genug beschäftigt und die Meinungen der Bürger in zwei Lager gespalten. Hat sich das Unternehmen nach seinem Sieg bequem zurückgelehnt oder geht nichts mehr vorwärts? Vielleicht hat aber eine höhere Eingebung den Verantwortlichen doch noch andere, geeignetere Standorte zugeflüstert.

Allgäuer Festwoche: Bestens besucht und von einer grandiosen Akzeptanz vieler Bürger gerät sie immer mehr in eine Sackgasse. Überfüllte Partyzelte, geschlossene Tore und an manchen Tagen drangvolle Enge. Leider wird nur an den Symptomen herum gemächelt, aber kein grundsätzlich neues Konzept erarbeitet. Wir glauben nach wie vor, eine offene Festwoche könnte alle Probleme elegant lösen.

Die Interessen der Altstadtbewohner besser vertreten

Wissen ist Macht: Um besser für die Belange der Altstadtbewohner eintreten zu können, fehlt uns manchmal mehr Wissen. Bitte helfen Sie uns mit Informationen, um dann besser die Interessen vieler vertreten zu können.

In diesem Sinne wollen wir mit Ihnen dieses ereignisreiche Jahr friedlich und beschaulich beenden. Begehen Sie schöne Feiertage und lassen Sie uns alle gesund das Neues Jahr beginnen.

Zu unserer nächsten Jahresversammlung am 17. März 2009 um 19:30 Uhr im Evangelischen Gemeindehaus laden wir Sie schon heute herzlich ein.

Ihr Hansjürg Hensler

  1. #1 von M. Blum unter 26. Juni 2010

    Hallo

    Es müssen unbedingt noch Parkplätze für die Anwohner reserviert werden. Ich fahre abends 20 -30 Minuten Runde um Runde auf der Suche nach einem Parkplatz!!!
    Es sind auch keine 130 sondern 72 Parkplätze in der Tiefgarage. Und die gibt es nicht umsonst.

    „“Auch wenn einige Parkplätze wegfallen, die Gesamtbilanz wird durch den Bau von 130 Tiefgaragenstellplätzen an der Burgstraße mehr als ausgeglichen.““

    Bei einem Anruf der Stadtverwaltung war der einzige Kommentar „Sie können ja wegziehen“.

     
(wird nicht veröffentlicht)
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